Tierschutz: Sind Lebendtiertransporte für Lettlands Landwirte wirtschaftlich sinnvoll?

Für Lettlands Landwirte stellt sich auch die ökonomische Frage, ob Tiertransporte in die EU und in Drittstaaten - einmal abgesehen vom wichtigen Tierschutz - überhaupt für sie nachhaltig und einkommensrelevant und somit rentabel sind?

L-Infos – Das könnte mittelfristig auch die lettische Vieh- und Landwirtschaft betreffen. Anlässlich der jährlichen deutschen Agrarministerkonferenz (AMK) fordern der Deutsche Tierschutzbund die deutschen Agrarminister auf, Lebendtiertransporte in Drittstaaten der EU zu stoppen.

Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes

„Die Missstände bei Transport und Schlachtung in Drittstaaten sind bekannt. Wer jetzt nicht handelt, trägt Mitschuld am Leid der Tiere“, sagt Thomas Schröder, Präsident des Deutschen Tierschutzbundes. „Ab sofort dürfen keine Transporte mehr abgefertigt werden, sofern nicht sichergestellt ist, dass tierschutzrechtliche Bestimmungen bis zum Zielort eingehalten werden. Die deutschen Bundesstaaten Bayern, Schleswig-Holstein und Hessen haben hier in den letzten Wochen erste deutliche Signale gesetzt. Es darf nicht sein, dass Transportunternehmen für die Abfertigung nun in andere Bundesländer ausweichen, um die Tiere wie bisher auf die leidvollen Fahrten zu schicken. Wenn Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner es mit einem Mehr an Tierwohl ernst meint, dann muss sie dafür sorgen, dass diese Lebendtiertransporte gänzlich gestoppt werden. Das darf und kann nicht länger Aufgabe des örtlichen Veterinärs sein, der von Bund und Land derzeit alleine gelassen wird.“

 

Zucht- wie Schlachttiere betroffen

"Berlin" - die Regierung - soll bei den Bestimmungen für den Tiertransporten nicht mehr zwischen Zucht- und Schlachtvieh unterscheiden.

Im Rahmen der Resolution fordern die deutschen Tierschützer zudem, bei der Diskussion um Lebendtiertransporte nicht zwischen Zucht- und Schlachttieren zu unterscheiden. Bei ersteren wird der Transport häufig verharmlost, obwohl sie genauso unter den untragbaren Zuständen leiden. Milchindustrie und Zuchtverbände erklären seit Jahren, die Exporte dienten dem Aufbau einer Milchproduktion in den Drittstaaten. Die Realität zeigt jedoch, dass es nicht gelingt, eine nachhaltige Milchviehzucht und eine tragfähige Milcherzeugung aufzubauen; die Produktion stagniert auf niedrigem Niveau. Und das trotz hunderttausender Zuchtrinder, die bereits exportiert wurden. „Wenn die Nachzucht misslingt oder die erwartete hohe Milchleistung ausbleibt, landet der Großteil der Zuchtrinder am Ende doch in der Schlachtung“, erklärt Frigga Wirths, Fachreferentin für Tiere in der Landwirtschaft beim Deutschen Tierschutzbund.

EU-Bestimmungen könnten Tiertransporte beenden!

Über kurz und lang ist davon auszugehen, dass die deutsche Seite einen erneuten Vorschlag in Brüssel einbringt, um die Bestimmungen für Tiertransporte in Drittländer der EU zu verschärfen, wenn nicht sogar ganz zu verbieten. Das würde, wenn die deutsche Seite Erfolg hätte, auch unmittelbare Auswirkungen auf die lettische Viehwirtschaft haben. Entscheidend in diesem Zusammenhang dürfte es sein, dass sich das lettische Landwirtschaftsministerium in Brüssel entsprechend positioniert, bzw. nachweist, dass die lettischen Tiertransporteure alle Bestimmungen – und eventuell darüber hinaus - eines Viehtransportes in Drittländer einhalten.

Innerhalb der lettischen Viehwirtschaft dürfte sich aber auch die Frage geradezu aufdrängen, inwieweit überhaupt Lebendviehtransporte in Länder außerhalb der EU nicht nur tatsächlich vorkommen, sondern auch nötig und vor allen Dingen auch rentabel sind? Wahrscheinlich ist es viel vernünftiger und für die lettische Volkswirtschaft ökonomisch nachhaltiger - und für die gesamte Palette der Nutztiere auch besser - wenn der Mehrwert der landwirtschaftlichen Urproduktion in Lettland bleibt, also verarbeitete Waren wie Milch, Käse usw., bzw. Tiefkühlfleisch - nicht nur in die EU-Drittländer, sondern auch in die anderen EU-Länder - exportiert würden.

Eine derartige Wirtschaftsweise wäre für die betroffenen Nutztiere angebracht, aber mittelfristig auch für die Einkommen der lettischen Landwirte von Vorteil, da gerade Viehtransporte in EU-Drittländer immer nur kurzfristige Gewinne - für wen? - versprechen. Von einer nachhaltig geprägten Exportpolitik, die auch den Einkommen der landwirtschaftlichen Betriebe zu Gute kommt, kann bei Viehtransporten nicht ausgegangen werden! Einmal ganz vom Tierschutzgedanken abgesehen - der aber in diesem Zusammenhang auch nicht zu vernachlässigen ist - sollten sich Europas landwirtschaftlichen Betriebe langsam darauf einstellen, nicht mehr mit Viehtransporten - schon gar nicht in Drittländer - finanziell zu rechnen, zumal diese Rechnung für die Landwirte oftmals sowieso nicht aufgegangen ist!

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