Litauen gründet Sanatorium für erkrankte Ostseetiere

Robbenbaby am Strand Foto © Meeresmuseum, Nautineum der Stiftung Deutsches Meeresmuseum in Stralsund

L-infos/Litauen - In der Kurischen Nehrung in Kopgalis, neben dem litauischen Seemuseum Delfinarium, wurde das Zentrum für die Rehabilitation von Tieren aus der Ostsee eröffnet.

"Ein solches Zentrum ist dringend erforderlich, weil das litauische Schifffahrtsmuseum, das seit vielen Jahren die verletzten oder schwachen Tiere am Strand einsammelten, keine Voraussetzungen mehr für diese Mission hat", sagte der stellvertretende Umweltminister Martynas Norbut. Da ein solches Rehabilitationszentrum immer wichtiger wird, habe man die Initiative des Museums zur Einrichtung dieses "Sanatoriums " uneingeschränkt unterstützt. Das Umweltministerium stellt, laut Pressemeldung des Ministeriums, 1,38 Millionen Euro zur Verfügung.

Das Hauptaugenmerk dieses Zentrums wird, wie die Erfahrungen des litauischen Schifffahrtsmuseums zeigen, die baltischen Kegelrobben sein, die an der Küste verwundet aufgefunden werden, oder anderweitig Hilfe brauchen. Die baltische Kegelrobbe ist eine vom Aussterben bedrohte Art, die in der "Roten Liste" der bedrohten Tierarten aufgeführt ist.

Das Baltic Grey Seal Museum hat sich seit fast 30 Jahren um die Robben gekümmert. Schwache Welpen werden behandelt, gefüttert und - nach Erreichen des richtigen Körpergewichts - wieder ins Meer entlassen. Seit 2011 stellt das litauische Umweltministerium Mittel für die Rehabilitation dieser Jungtiere bereit.

Eine weitere Aufgabe der zukünftigen Center-Stationen sind die Wasservögel. Sie werden zunehmend durch eine sich ausweitende Schifffahrt und Fischerei gefährdet. Viele dieser Vögel gehören ebenfalls zu den bedrohten Arten und es ist daher es sehr wichtig, sich um jeden Vogel zu kümmern.

Nach Angaben der Direktorin des litauischen Schifffahrtsmuseums, Olga Zaliene, soll das professionelle Rehabilitationszentrum, welches jetzt geschaffen wurde, nicht nur Meerestieren helfen, die z.B. von Verschmutzung und anderen Dingen betroffen sind, sondern es sollen auch die Überwachung ihrer Population und deren Lebensumstände sowie wissenschaftliche Forschungstätigkeiten durchgeführt werden. Bislang wird die Forschung unter sehr provisorischen Bedingungen erledigt, teilweise mussten die Forschungen sogar ins Ausland verlagert werden. Das jetzt gegründete Zentrum für Tierforschung und Rehabilitation wird eines der wenigen seiner Art in Europa sein.

Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Text der Stiftung Deutsches Meeresmuseum –Museum für Meereskunde und Fischerei · Aquarium: Die Kegelrobbe gehört wie der Seehund zu den Hundsrobben. Die Gruppe zeichnet sich durch das Fehlen von Ohrmuscheln sowie kleinen Vorderflossen aus. Die Hundsrobben benutzen die Hinterflossen beim Schwimmen als Antrieb. Ihre Stromlinienform ist ideal für ihre aquatische Lebensweise, an Land wirken sie jedoch deshalb oft behäbig.

Beschreibung
Kegelrobben sind Raubtiere. Die Bullen können über 300 kg schwer und 230 cm lang werden, Weibchen wiegen mit durchschnittlich mit 150 kg nur die Hälfte bei bis zu 190 cm Länge. Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede (Sexualdimorphismus) sind bei Kegelrobben stark ausgeprägt. So sind auch die Kopfform und die Nackenpartie der Männchen erheblich robuster und massiger.

Das Fell kann alle Nuancen von grau, silber, braun und schwarz aufweisen. Generell sind Weibchen hell mit dunklen Flecken und Männchen dunkel mit hellen Flecken. Jede Robbe hat ein individuelles Fleckenmuster, welches die Wiedererkennung einzelner Tiere möglich macht. Weibliche Tiere werden älter als Männchen, die Lebenserwartung in der Wildnis liegt bei etwa 25 Jahren.

Verbreitung
In den temperierten und subarktischen Küstenregionen des Nordatlantiks sind Kegelrobben heimisch. Dabei werden drei große Populationen unterschieden: die west-atlantische, die ost-atlantische und die baltische Population.

In der Ostsee waren Kegelrobben einst zahlreich. Bejagung, Habitatverlust und Umweltgifte führten fast zur Ausrottung der Art. Wenige Tausend Tiere verblieben in der nord-östlichen Ostsee. Die Unterschutzstellung der Art führte zum Bestandswachstum. Gegenwärtig ist mit etwa 30.000 Tieren fast ein Drittel des ursprünglichen Ostseebestandes erreicht. Sie kehren immer weiter in süd-westliche Bereiche zurück, so werden im Greifswalder Bodden, an der Küste von Mecklenburg-Vorpommern, mittlerweile ganzjährig Robben gesichtet.

Beobachter sollten den richtigen Umgang mit den Tieren beachten um diese nicht zu stören, dabei helfen diese fünf einfachen Regeln.

· Versperren Sie den Tieren niemals den Fluchtweg ins Wasser.

· Halten Sie einen Mindestabstand von 100 Metern.

· Auf keinen Fall die Tiere berühren, füttern oder bewerfen.

· Hunde sind an der Leine zu führen.

· Stellen Sie sich niemals zwischen Mutter und Jungtier.

Wussten Sie schon, dass Kegelrobben …

… ihren deutschen Namen von der Kegelform ihrer Zähne haben?

… an einem Tag bis zu 100 Kilometer schwimmen?

… bis zu einer halben Stunde lang Tauchen können?

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