Menschen: Ein früher Morgen in Kurland

Die deutsche "Kultur des Brötchen holen" kennt man in Lettland nicht

L-INFOS - Waren sie schon einmal früh morgens in Lettland? Jetzt nicht im Hotel, oder in der Ferienanlage, so in Kurland, mitten drin?
Hier in Kurland ist die Natur am frühen Morgen noch hautnah zu erleben. Aber nicht nur die: Ab den ersten Sonnenstrahlen im Frühling sieht man die Jogger ihre Runden durch die Gartenanlagen, aber auch mitten durch die Städtchen, Dörfer und Parks von Riga (hier besonders) ziehen.

Erst kommen die Profis mit Handtuch um den Hals und Pulsmesser am Arm – inzwischen auch mit Smartphone am Oberarm, was den fortgeschrittenen Profi auszeichnet. Spätestens ab 7 Uhr vermischt sich das Ganze langsam alles mit den „Hausfrauen“ und Hobbysportlern und – immer wichtiger – den Nordic Walkern! Zu 90 % sind das dann aber Frauen. Die lettischen Männer haben wahrscheinlich genügen körperliche Arbeit, sie brauchen keinen Ausgleichssport.

Den gehenden Menschen mit den Stöcken, den Walkern“, folgen dann bald die Scharren von Frauen und Männern mit den Körben und Hacken! Die Rentnerinnen und Rentner, die mit Hacke bepackt, je nach Jahreszeit mit Samen oder Körben für die Ernte in ihre Gärten strömen, um dort Stunden, wenn nicht sogar den ganzen Tag zu arbeiten. Lettisches Rentnerleben spielt sich viel, wenn die Rentner nicht arbeiten müssen, in den Gärten ab. Wenn es irgendwie möglich ist, hat ein Lette einen oft auch mehrere Gärten, um Kartoffeln, Gemüse (Gurken und Tomaten, Zucchini und Salat) und die geliebten Blumen – sehr viele Asternsorten – anzubauen. Damit wird die Rente der Menschen erheblich aufgestockt bzw. entlastet.
Bis auf kleine Unterschiede mag das so wie in Lettland, überall in unserem europäischen Kulturkreis ablaufen. Eines gibt es in Lettland – im Vergleich zu Deutschland – aber nicht: die morgendliche samstags-Brötchenkultur.

Wenn in Deutschland Samstagmorgens vornehmlich die Männer – nachhaltig mit Jute- oder Leinensack bewaffnet – am frühen Morgen vor der Bäckerei brav Schlange stehen, um Brötchen zu kaufen, drei Weizen-, zwei Dinkel- und je ein Vollkorn-, Roggen- und Buchweizenbrötchen, dann steht der Lette schon längst im Garten, oder in der Garage, um mal wieder die Bremsen zu reparieren oder - und das ist besonders wichtig - auf dem Markt.

Samstag ist einer der wichtigsten Markttage; Letten gehen da noch hin. Sei es um die Früchte des Gartens zu verkaufen, oder eben um etwas zu kaufen, aber auf alle Fälle geht der Lette zum Markt, um sämtliche Neuigkeiten von gestern – und noch wichtiger – die von morgen zu erfahren.

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