Man sieht nur, was man kennt - und wenn man/frau rein kommt!

Der fließend deutsch/russisch und leidlich englisch sprechende Lette Valdis Veidulis führt während seiner freiwilligen "Schicht" Besucher dreisprachig durch die Kirche und gibt einen Einblick in deren Geschichte

L-INFOS - Auch in Lettland ist jetzt Urlaubs- und Ferienzeit. Die Letten verreisen genauso gerne wie alle anderen Europäer - vielleicht nicht ganz so weit und so lange, wie z.B. die Deutschen, aber sie sitzen jetzt auch nicht zu Hause rum und warten "auf die Dinge die da kommen", sondern pflegen ihre Gärten, oder - wohl die Mehrheit - liegen am Meer. Daher ist es gar nicht so selbstverständlich, dass die lettischen Sehenswürdigkeiten für die Urlauber aus den verschiedensten Ländern, die ihrerseits jetzt Lettland besuchen, geöffnet sind.

Gott-sei-Dank gibt es in Lettland viele Frauen und Männer, wie Valdis Veidulis (unser Foto), der z.B. in Talsi/Kurland freiwillig und ehrenamtlich Dienst in der dortigen evangelisch-lutherischen Kirche "schiebt"!

Valdis, und vielen tausenden freiwilligen Helfern in ganz Lettland, ist es schließlich zu verdanken, dass die Besucher, wenn sie zum Beispiel den steilen Hügel Baznīckalns erklommen haben, nicht nur die im Jahre 1567, in weißen Mauern, gebaute die Kirche von Talsi – die Dominante der Altstadt – erreichen, sondern, wenn der Besucher zu normalen Zeit kommt, auch immer eine offene Kirchentür vorfinden. Der fließend deutsch/russisch und leidlich englisch sprechende Lette Valdis Veidulis führt, während seiner freiwilligen "Schicht", alle  Besucher dreisprachig durch die Kirche und gibt einen Einblick in die Geschichte der Kirche, die im übrigen deutsche Pastoren hatte.

Die evangelisch-lutherische Kirche von Talsi

Die Architektur der Kirche hat sich im Laufe der Jahrhunderte herausgebildet und wurde mit Merkmalen der Romanik und Gotik ergänzt. Die Baugeschichte spiegelt sich sowohl in der Planung der Kirche, als auch in der Fassade wider und gibt eine Vorstellung von der Bauweise im 18. – 19. Jh. Dem rechteckigen Langhaus ist ein Querschiff und eine Sakristei zugeordnet. Ein quadratischer Glockenturm, der von einer Kugel, einem Hahn und einem Kreuz verziert ist, rundet das Bild ab. Von 1996 bis 1998 wurden die Turmspitze mit dem Hahn und dem Ziegeldach sowie die Fassade und die Innenräume rekonstruiert.

Die Reliquien zeugen von der Geschichte der Kirche. Die wertvollsten unter ihnen sind das im Kalkstein mit klassizistischen Merkmalen hergestellte Epithap der Familie von Vischer (1794) und das Altarbild Christi Himmelfahrt (1876, K. Schönherr). Die Kirche ist auch von zwei Glasmalereien verziert (Ludis Bērziņš; Geschenk (1986) von Mirdza Kangare – Matule), und auf ihrem Turm befinden sich zwei Glocken aus Bronze (die älteste – 1601).

In der Kirche haben viele hervorragende Pfarrer gedient, von denen der bekannteste Karl Ferdinand Amenda ist, weil mit ihm der Name des Musikers und Komponisten Ludwig van Beethoven verbunden ist.

Das Altarbild "Christus segnet Kinder" wurde 1823 geschaffen und war ein Geschenk an den damaligen Pfarrer Karl Ferdinand Amend. Kein Wunder, dass Valdis jedem Besucher das frisch restaurierte Bild stolz präsentiert

Natürlich zeigt Valdis jedem Besucher das neu restaurierte Altarbild "Christus segnet Kinder" welches 1823 geschaffen wurde. Das Bild ist das größte Werk des Künstlers Samuel Benedict Grune. Es ist fast zwei mal zwei Meter hoch und ein nationales Kunstdenkmal, eines der prestigeträchtigsten Beispiele der Sakralmalerei des 19. Jahrhunderts. Das Gemälde war ein Geschenk an den damaligen Pfarrer Karl Ferdinand Amend.

Das Altarbild befand sich bis 1876, in der lutherischen Kirche von Talsi. Es wurde später im Rundale Palace Museum aufbewahrt, kehrte aber Ende der 1990er Jahre in die Kirche in Talsi zurück. Es war seinerzeit in einem sehr schlechten Zustand und wurde in den vergangenen Jahren gründlich - unter Aufwendung von erheblichen finanziellen Mitteln - restauriert. Seit dem 20. Mai 2018 erstrahlt es - nach einer 142jährigen Kirchenpause - wieder in alter Schönheit in der Kirche von Talsi.

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