Lettland: Langsam mal an Ostern denken!

Die Eierfarben kommen in Lettland nicht aus dem Supermarkt, sondern die liefert seit eh und je die Natur

L-INFOS - Auch in Lettland greift man bei der Feier von Ostern (1. April 2021) auf christliche und heidnische Traditionen zurück. Für die Christen ist es das Fest der Auferstehung von Jesus Christus, während Ostern gemäß den heidnischen Traditionen das Fest der Frühlingssonnenwende ist. Mit Hilfe verschiedener Rituale wie Spielen, Ringelreihen, Eierrollen, Schaukeln, versucht man in Lettland, der Erde beim Erwachen zu helfen und die Fruchtbarkeit zu fördern.

Wenn man an die lettischen Osterbräuche denkt, dann greift man auch hier mit Vorliebe auf die wohl eher heidnischen Traditionen zurück, wie die deutschen auf ihre Hasenmutation, aber in Latvija eben nicht speziell auf diesen!
Eine - aber alte und längst vergessene - Tradition war das Schreiben von Osterkarten. Vielleicht kommt die ja jetzt wieder?
Zum Osterfest gehören die Eier, hartgekochte, dies ist in Vācijas (Deutschland) genauso wichtig, wie auch in Lettland.  Eier sind seit der „grauen Vorzeit unserer Vorväter“ das Symbol der Fruchtbarkeit, des neuen Lebens und signalisieren die Rückkehr der Sonne und des Frühlings. In den Zeiten, in denen es auch in Lettland noch Schnee und tiefe Minustemperaturen während des Winters gab, ist es verständlich, dass das Osterfest und die „Rückkehr der Sonne“ heiß ersehnt und dann auch entsprechend gefeiert wurde!

Das Ostereierfärben und das Eier schlagen gehören in Lettland wohl mit zu den beliebtesten Traditionen (außer singen und tanzen)! Das Eierfärben ist eine Wissenschaft für sich und bedarf einer längeren Abhandlung, schließlich – im Gegensatz zu vielen westlichen Ländern – geht der Lette, wohl besser die Lettin, nicht in einen Laden und kauft fertige Osterfarben, geschweige fertig bemalte Ostereier, welch ein Frevel!

Die Zeiten, in denen man Ostergrüße per Postkarte versandte, sind wohl vorbei - aber sie waren nicht schlecht!

In Lettland werden die, in der Osterzeit vorhandenen, Naturprodukte zum Eierfärben herangezogen: Zwiebelschalen, Gänseblümchen, Blätter, Gräser, alles was sich an Kleinteilen nach Hause tragen lässt, wird irgendwie verarbeitet. Die Letten haben sich in dieser Disziplin zu wahren Künstlern entwickelt. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der lettische Ministerpräsident, Krišjānis Kariņš, seine Landsleute bereits im letzten Jahr dazu aufgerufen hat, in diesen schwierigen Zeiten erst recht Osterei zu bemalen und in den „Social Media“ zu präsentieren.

Die Sache  war 2020 – wenn man sich die einschlägigen Medien ansah, ein voller Erfolg und dürfte es 2021, sollte der Ministerpräsident wieder dazu aufrufen, erneut einen durchschlagenen Erfolg zeigen : Statt Hunde- und die furchtbar beliebten Katzenfotos, wimmelt es von Ostereiern im Netz! Vielleicht kommen die Katzen ja noch später!!?


Das „Eierschlagen“ ist wohl ein weltweiter Brauch, der in der letzten Ecke Kretas, im bayerischen Wald und auch in den Wäldern Kurlands äußerst beliebt ist! Da gibt es nun mehrere – wahrscheinlich noch mehr – Erklärungsfassungen von: Die einfachste ist die, dass derjenige, dem das Ei „zerdeppert“ wird, dieses an den Gewinner abgeben muss und somit durch die Röhre schaut! Das ist die direkte, aber harte Methode! Die lettische Erklärung besagt, dass derjenige, der das härtere besitzt, länger lebt. Man sollte sich seine Gegner also gut aussuchen – oder die Eier!

Ein sehr bekannter Brauch in Lettland ist das Osterschaukeln! Die Letten schaukeln heute wie „verrückt“ auf den geschmückten Schaukeln, da dies vor den sommerlichen Stichen der Mücken und den Bissen der Schlangen langfristig schützen soll! Im Zeitalter der intensiven Landwirtschaft und der ausgeklügelten Agrarchemie und Hautsprays ist die Notwendigkeit des Schaukeln in unserer heutigen Zeit aber nachzufragen.  Allerdings ist das Schaukeln auch ein magisches Ritual, symbolisiert es doch das Tanzen der Sonne und soll Fruchtbarkeit bringen! (Kleiner Einwurf: Viele Hochzeitsfotografen setzen ihre „Opfer“ sehr gerne auf Schaukeln, ob diese – alle Beteiligten - dann wissen, warum, darf ernsthaft angezweifelt werden).
Problematisch ist die Tatsache, dass nach den alten Bräuchen die Schaukel nach Ostern verbrannt werden muss, damit der Brauch und die Mythen funktionieren können! Der Hintergrund ist dabei die Tatsache, dass unbedingt verhindert werden muss, dass nach Ostern die Hexen nichts mehr zu schaukeln haben! Ich habe in Kurland schon viele Schaukeln gesehen, sie waren alle nicht gerade neu und hatten auch keine Brandschäden.

Nebenbei bemerkt, könnte man von der Tatsache der nicht verbrannten Schaukeln die Erkenntnis ableiten, dass der alte Brauch mit der Fruchtbarkeit stimmt: Die Zahl der Neugeburten sinkt in Lettland unaufhaltsam!

Es gibt natürlich noch jede Menge baltische und lettische Osterbräuche, aber fürs erste muss das reichen!

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