Ein Deutscher in Lettland: Loblied auf die lettischen Hand-Strick-Socken

Warme, handgestrickte Wollsocken sind dieser Tage in Lettland unersetzlich!

L-infos/fr - Bei den Letten gibt es nicht alles zu kaufen - zumindest aus deutscher Sicht. Es fehlt die Currywurst, der Kartoffelsalat und so manche gewohnten westdeutschen Utensilien, die mal als Deutscher zu brauchen glaubt!

Ob man diese Dinge am Ende des Tages tatsächlich benötigt, sei einmal dahingestellt.

Jetzt, wo das Thermometer sich stündlich nach unten bewegt, die Quecksilbersäule den Gefrierpunkt schon vor Tagen in ihrer unaufhaltsamen Abwärtsbewegung passierte und bereits um 17.00 Uhr bedenklich nah die Minus 10 Gradkerbe anpeilt, da braucht man keine Currywurst, sondern "Mutters" handgestrickten Wollsocken!

Wahrscheinlich sind sie, die Wollsocken, in anderen osteuropäischen und nördlichen Ländern, genauso begehrt, wie in Lettland, aber ich finde, hier und heute, sind sie an meinen Füßen einfach unersetzlich.

Als Mitteleuropäer und gewöhnter Zentralheizungsbenutzer kommen einem die mächtig dicke Wollsocken, wie Gegenstände aus einer anderen Welt, vielleicht aus der der Eskimos, vor, aber spätestens ab minus 5 Grad spielen derartige Vorurteile keine Rolle mehr! Sie werden gebraucht und jederzeit gerne benutzt!

Ein doppeltes hoch auf die Erfinder der Wollsocken!

Insidertipp: Ob man die richtigen Wollsocken besitzt, kann auch der anfängliche Laie sehr schnell an verschiedenen Merkmalen erkennen: Erst einmal müssen die Socken natürlich von einem Familienmitglied (Ehefrau, Oma oder so bieten sich hier an) gestrickt worden sein, zumindest von guten Freunden(in)! Nur so ist sichergestellt, dass der entscheidende Strickvorgang mit Liebe, zumindest Zuneigung, erledigt wurde. Das merkt man später an der inneren Wärme, die die Socken ausstrahlen.

Ferner müssen die Socken richtig dick sein, es muss also richtig dicke Wolle verarbeitet worden sein, die aber wiederum sehr engmaschig, also ohne Luftlöcher, da dadurch, also durch die Lochmaschen, sonst später die kalte Luft zieht und die kleinen Zehen verkühlt (leicht rot anlaufen)!

Wichtig ist auch, dass die Socke - samt den dazugehörigen rechten und linken Fuß - trotz ihrer dicken Wolle, in die Hausschuhe, wie auch in die Winterstiefel, passen. Es macht keinen Sinn, die Socken ständig auszuziehen, sie müssen wie eine zweite Haut am Fuß "kleben", ohne natürlich zu riechen!

Ein gewisser ganz persönlicher Eigengeruch ist jeder Socke natürlich zu Eigen, er sollte aber nach Schaf, zumindest in eine so ähnliche Richtung, tendieren. Sollten die Socken eher die Geruchsrichtung Camembert oder alter Chester aufweisen, den die Socken öfters im April/Mai annehmen, lässt dies auf den nahenden Frühling schließen und somit auf das Ende der jährlichen Woll-Socken-Saison! Die wird dann durch die jährliche Woll-Socken-Wasch- und Pflegesaison abgelöst.

Aber bevor es soweit ist, also bis Mai, werden die Socken fest an den untersten Körperteilen, den Füßen, getragen. Dies trifft natürlich auch nachts zu. Sie können sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, wie viele warme "Wollsockenfüße" nachts unter lettischen Bettdecken schlummern!

Mal ganz ehrlich, da pfeifen sie auf Currywurst und Kartoffelsalat; wenn draußen der Wind die Schneeflocken bei minus 10 Grad um die Hausecke jagt, dann gibt es nichts besseres auf dieser Welt, als dicke Wollsocken und ...!

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