Lauciene / Das Schloss von Nurmhusen: Kulturgeschichte Kurlands/Lettlands

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L-INFOS - Kurland/Lettland ist mehr, als nur Sand, Strand, Wälder usw. Lettland ist nicht nur ein Stück europäische Kulturgeschichte, es ist Teilweise die Wiege derselben. Wenn man sich einmal den heutigen Ort Lauciene (ehemals Nurmuiza) ansieht, ein Dorf in der Gemeinde Lauciene, zwischen Riga und Kolka gelegen, dann wird man sehr schnell feststellen, dass dieser kleine Ort von Geschichte nur so “trieft”!

Heutzutage, wenn man nicht gerade in das relativ neue "angesagte" Spitzenrestaurant "Nurmuiža", welches sich auf dem Gelände des Gutes befindet, einkehren will (Achtung bei den Öffnungszeiten), rauschen die Autofahrer unbemerkt durch (Geschwindigkeitsbegrenzung!) den Ort hindurch.

Das Dorf wurde im 16. Jahrhundert gegründet. Später, Ende des 16. Jahrhunderts, wurde das Schloss Nurmhusen erbaut, welches dem Baronen von Fircks gehörte, einer Familie, die die Geschichte Kurlands maßgeblich, wenn nicht sogar dominant, beherrschte und beeinflusste. Möglicherweise wurde die Burg auf den Fundamenten einer älteren Vasallenburg errichtet, die sich dort schon im 14. Jahrhundert befand und in Kriegen mehrmals zerstört wurde.
Zu Sowjetzeiten beherbergte das Herrenhaus der Gutsanlage die Verwaltung des sowjetischen Hofes "Okte" und Lauciene.
Das Schloss von Nurmhusen ist eine der letzten vom Deutschorden in Kurland – in ganz Lettland - gebaute Burg. Dicke Mauern und quadratische Bauweise stehen für den charakteristischen Burgentyp des Ordens in der Region. Die Burg wurde nicht aus strategischen Gründen gebaut, sie diente zur Organisation der Landwirtschaft und der Entwicklung der Region, daher kann man – zumindest von außen – nicht von einem Prachtbau sprechen.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Schloss im neoklassizistischen Stil umgebaut: Hier besonders die Eingangshalle, das heute noch erhaltene Treppenhaus sowie weitere Räume des Schlosses. Im ersten Stockwerk sind noch die Repräsentationsräume des Schlosses (halbwegs) erhalten, das Speisezimmer, der Empfangssaal und der Musikpavillon sind noch erkennbar und sollen wohl wieder hergestellt werden. Eine Vielzahl von Säulen, weiß glasierte Kopien von klassizistischen Kachelöfen, ein reichlich verzierter Kamin und dekorative Wände und Decken sind Zeugnis des Umbaus und werden heute als eines der besten Beispiele für neoklassizistische Innenausstattungen in den Schlössern von Lettland angesehen. Einige Innenfotos von Lettlandinfos.eu (es handelt sich allerdings um ältere) vermitteln einen kleinen Eindruck vom inneren des Herrenhauses. Inwieweit die Renovierungsarbeiten – die Millionen Euros verschlingen – vorangeschritten sind, kann derzeit nicht gesagt werden. Bei den Außenaufnahmen handelt es sich um aktuelle Foto.
Das Schloss gehörte bis 1920 (Enteignung) dem Geschlecht der Fircks. Letzter Herr auf Nurmhusen war wohl Ernst Heinrich Otto Freiherr von Fircks (1866–1914), seit 1893 verheiratet mit der Schriftstellerin Freifrau Alice Constance Natalie Virginie von Fircks, geborene von Rahden.

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