Herzog und König – Kurland, Preußen, eine Liebesgeschichte und das weiße Gold!

Der Ort unserer Handlung ist Kurland, kurzfristig, wenn auch in äußerst tragender Rolle, natürlich spielt Russland eine Rolle und das alte Preußen sowieso. Das Preußen von Friedrich dem Großen usw. usw. usw.

L-INFOS/fr – Ein Herzog, ein weltberühmter König und eine russische Zarin (mit ihren amourösen Bettgeschichten und die vorher in Jelgava im heutigen Lettland lebte – allerdings, Zarin wie auch König, in diesem Stück nur mit einer kurzen Nebenrolle betraut) schöne Frauen, Schlösser und nicht zuletzt auch noch das Gold, das weiße Gold; das sind die Zutaten für eine wirklich große Geschichte! Vielleicht sogar für die Geschichtsbücher?

Ort der Handlung ist Kurland aber eigentlich auch nur kurzfristig, wenn auch in äußerst tragender Rolle, natürlich spielt Russland eine gewisse Rolle und das alte Preußen sowieso. Das Preußen, in dem in der Zeit, in der unsere Geschichte spielt, Friedrich der Große, der Alte Fritz, wie ihn die Berliner später riefen, regierte. Eine Geschichte, alleine die Besetzungsliste und die Zutatenliste sind schon vom feinsten und lassen nur Bestes erhoffen! Ohne jemanden aus der Zeit der zu erzählenden Geschichte zu nahe treten zu wollen, jeder heutige Soap-Regisseur (Seifenopern) wäre über ein derartiges Drehbuch überglücklich!

Der Favorit der Zarin

Anna von Russland, der Zarin von Russland - C: Von Louis Caravaque - http://www.allposters.com/-sp/Portrait-of-Princess-Anna-1718-46

Wir befinden uns in der Zeit des ausgehenden Barocks und an der Schwelle zur „frühen Neuzeit“ und der aufgeklärten Herrscher. Bis es so weit ist, dauert es aber noch ein bisschen. Als Johann von Biron (lettischer Beamter) und seine Frau Benigna von Trotha um 1724 herum in Jelgava legte, wo ihr ältester Sohn Peter geboren wurde, war die Barockepoche eigentlich noch voll im Gange. Bis dahin verlief die Geschichte, die Biografie derer von Biron, eigentlich auch von kleinen „Unebenheiten“ einmal abgesehen, völlig unspektakulär.

Es wäre auch nie zu einer Geschichte, geschweige auch nur im wahrsten Sinne des Wortes zur Geschichte geworden, wenn nicht Peters Vater, also Ernst Johann von Biron, von 1730 bis 1740 mit seiner Familie in Moskau und St. Petersburg am Hofe des Zaren als Beamter gearbeitet hätte. Eine kleine Besonderheit bei der Geschichte ist die Tatsache, dass Ernst Johann von Biron - quasi im „Nebenjob“ – der Liebhaber und Favorit von Anna von Russland, der Zarin von Russland, war. Die Liaison war in Petersburg nicht neu gestartet, hatte sie doch schon in Kurland begonnen, wo Anna ab 1711, nach dem Tod ihres Mannes in Mitau/Jelgava, als Regentin von Kurland residierte.

Das sollte man jetzt aber nicht weiter vertiefen, da man sonst bei all den Liaisons und Techtelmechtel die Übersicht verliert. Entscheidend ist auf alle Fälle die Tatsache, dass Anna 1730 Zarin von Russland wurde (wieso und warum usw. lassen wir hier auch mal außen vor) und Peters Vater, der von Biron, mit seiner ganzen Familie ihr an den Hof nach Sankt Petersburg als Liebhaber und vielleicht auch als (Freizeit)Beamter folgte.

In einer Zeit, in der man über Nacht seinen Kopf verlieren oder ein ganzes Herzogtum gewinnen konnte, war es mit Sicherheit nicht ganz ungefährlich, Favorit der Zarin zu sein. Für den lettischen Beamten, Johann von Biron, hat es sich aber gelohnt.

So sieht Dankbarkeit aus: Im Bett einen Titel, ein Land und ein Schloss bekommen

Rundale: Der Name Rundāle leitet sich vom deutschen Ortsnamen Ruhenthal (Tal des Friedens) ab. 1735 kaufte Ernst Johann von Biron das Gut Rundāle für 42 000 Taler. Der alte Palast wurde komplett abgerissen und wieder neu aufgebaut

Aus Dankbarkeit für seine Dienste adelte die russische Zarin Anna Iwanowna ihren Liebhaber und ernannte ihn zum Herzog und gab ihm Kurland als Geschenk gleich mit! Natürlich kam es noch zu einigen Verwirrungen und Verbannungen, letztendlich konnte der Vater von Peter jedoch die Stelle eines Herzogs von Kurland „antreten“. Die Letten der heutigen Zeit sollten für diesen Umstand der Zarin Anna Iwanowna eigentlich noch immer tiefst dankbar sein. War sie es doch, die den Bau des Schlosses Rundāle veranlasste. Der ganze Sinn dieses „Versailles des Baltikums“ bestand nur darin, als Sommerresidenz des kurländischen Herzogs Ernst Johann Biron zu dienen.

Kurland und Preußen: Das waren noch Zeiten!

Peter von Biron, Herzog von Kurland

Nach dem Todes seines Vaters 1769 wurde Peter von Biron Herzog von Kurland (Maler: Friedrich Hartmann Barisien / Peter von Biron, Herzog von Kurland, 1781)

Nach dem Todes seines Vaters 1769 wurde Peter von Biron Herzog von Kurland, aber einer Tatsache, mit der man in Kurland nicht allzu einverstanden war – und die Gründe dafür sind ja hinlänglich bekannt und pikant. Schließlich war die Familie nur „durch das Zarenbett“ hindurch zum kurländischen Herzog aufgestiegen und so hatte der neureiche Sohn keinen leichten Start, als er die Nachfolge seines Vaters antrat. Wenig hilfreich für Ehre und Ansehen war dann auch noch der Lebenswandel des Erben: Drei uneheliche Kinder und zwei gescheiterte Ehen – darüber rümpfte man damals – auch bei einem Herzog von Kurland – nicht nur die Nase.

Es verwundert jedenfalls nicht, dass der Herzog von Kurland eine günstige Gelegenheit ergriff und mit seiner jungen, nunmehr dritten, Gemahlin nach Berlin reiste, um Friedrich dem Großen seine Aufwartung zu machen. Peter, damals 55-jährig, reiste aus seinem weit entfernt im Baltikum gelegenen Herzogtum Kurland in Berlin an. An seiner Seite seine frisch angetraute Ehefrau. Die erst 18 Jahre junge Dorothea von Medem stammte aus einer angesehenen kurländischen Familie und sie sollte Herzog Peter nicht nur endlich einen offiziellen Erben schenken, sondern auch seinen Stand sichern.

Ein vielerorts unbekanntes Detail der Geschichte: Die Einrichtung von Schloss Friedrichsfelde

Das Schloss Friedrichsfelde ist ein im frühklassizistischen Baustil gestaltetes Schloss im Tierpark Berlin im Berliner Ortsteil Friedrichsfelde.Das Schloss wurde sehr oft verkauft: 1785 an den Herzog von Kurland

Eigentlich hatten die Brüder Dorotheas das Schloss Friedrichsfelde für das Herzogspaar nur vorübergehend gemietet, aber dem kurländischen Paar gefiel es so gut, dass sie es kurzerhand kauften. Und was gehört zu einer neuen Einrichtung? Natürlich: ein angemessenes Tafelservice. Das sollte selbstverständlich das modernste, prächtigste und neueste sein, weswegen Peter von Biron es bei der KPM (Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin) in Auftrag gab.

So begann die Erfolgsgeschichte des Kurland-Services, das zunächst noch “Service mit antiquer Kanthe” genannt wurde. Gemäß dem Geist der Zeit, sich kulturell wie künstlerisch mit der Antike zu beschäftigen, entwarf der KPM-Modellmeister Karl Friedrich Riese ein Service, dessen symmetrische, fast schon strenge Formen durch eine dezente Bordüre spielerisch zurückgenommen wurden. Eine Hommage an die Welt des Altertums. Im Ergebnis drückt sich die Stilepoche des Klassizismus aus, der mit seinem Fokus auf harmonische Proportionen die üppige Verspieltheit des Rokoko ablöste. Konische und geradlinige Formen und kantige Henkel “à la grecque” stehen zusammen mit zarten Reliefbordüren für den Beginn einer neuen Zeit!

Coffee-to-Go-Becher: Die Nasen sind sich sehr ähnlich

Bis heute wurde und wird die Serie Kurland ununterbrochen in der Berliner Manufaktur produziert. Das jüngste Beispiel ist der neue Coffee-to-Go-Becher der KPM: Hier wirkt das Dekor frisch und modern wie am ersten Tag. Die Serie Kurland ist also nicht nur Vergangenheit, sondern genauso Gegenwart – und ganz bestimmt auch Zukunft. Was ganz nebenbei bemerkt, nicht nur für das Porzellan gilt, sondern auch auf das Original zutrifft.

Foto: KPM

Inspiration für den Entwurf war neben der Form KURLANDund einem historischen Original-Gemälde Peter von Birons selbst ein To-go Pendant, welches ebenfalls Geschichte schrieb. Der New Yorker ‚Greek Coffee Cup‘, dessen markantes Säulen-Motiv um die Welt ging, brachte Stefan Marx auf die Idee, ein anderes weltbekanntes Motiv auf dem To-go Produkt seiner Lieblings-Manufaktur zu visualisieren, in deren Meistermalerei er vor seit zwei Jahren einen festen Arbeitsplatz bezog: Das ikonische KURLAND Relief inklusive seines berühmten Schöpfers Peter von Biron. Dieser wäre sicher froh, würde er wissen, dass unterschiedlichste (Heiß-)Getränke nun schon seit 230 Jahren aus der klassizistischen Form serviert werden. KURLAND - „happy to serve you since 1790“.

Fasan oder Kuchen - das Auge isst mit

Foto: KPM

Bereits vor 230 Jahren wurde im Schloss Friedrichsfelde auf dem Service Kurland delikat zubereiteter Fasan - oder auch leckerer Kuchen - serviert. Bis heute ist das Geschirr mit der auffälligen Reliefbordüre das beliebteste und erfolgreichste der KPM Berlin – und es bleibt zukunftsweisend.

Bei dem für Peter von Biron entworfenen Dekor werden die goldenen Schmuckelemente hochglanzpoliert, die vergoldeten Tuchgehänge auf einem grünen Fond werden mit dem Achatstift graviert. Wahrscheinlich war das Service auf den Apricot Farbton des Treppenhauses im Schloss Friedrichsfelde abgestimmt. Feld- und Wiesenblumen mit Gräsern und Schmetterlingen zieren zudem das Geschirr – für diese Zeit etwas Besonderes. Zuvor wurden lediglich kostbare Tulpen und Nelken, die damals aus Persien und China importiert werden mussten, auf Porzellan verewigt.

Damals wie heute: Kurland ist begehrt und begeistert

Das Service, welches erst später dem Herzog zu Ehren in Kurland umbenannt wird, gefällt nicht nur Peter von Biron, es wurde schon bald oft verschenkt Foto: KPM

Das Service, welches erst später dem Herzog zu Ehren in Kurland umbenannt wird, gefällt nicht nur Peter von Biron. 1791 schenkt es Wilhelm II. seinem Onkel Prinz Heinrich als Neujahrspräsent. Später erhalten auch sein Sohn Friedrich Wilhelm III. und dessen Gemahlin Luise von Preußen dieses Service. Seiner Tochter, Prinzessin Auguste von Preußen, schenkt er es zur Hochzeit. Auch seine Mätresse, die Gräfin Lichtenau, wird damit ausgestattet.

Was zunächst nur den königlichen und fürstlichen Häusern vorbehalten war, wird ab Mitte des 19. Jahrhunderts auch ans Bürgertum verkauft – und so speisen zum Beispiel Katia Pringsheim und Thomas Mann bei ihrer Vermählung 1905 von Kurland Tellern mit Goldkante.

In Berlin ist Kurland „in“ – zumindest bei großen Staatsempfängen

Wenn die Republik, wenn Berlin groß feiert, dann ist sehr oft auch das herzogliche "Kurland" mit dabei

Bis heute gilt Kurland als das erfolgreichste Service der KPM Berlin. Seit 230 Jahren steht es mit seinen klassizistischen, gradlinigen Formen für die traditionellen Werte der Berliner Manufaktur. Und werden heute mehr als 70 Gäste zu einem Staatsempfang in (inzwischen königslosen) Berlin erwartet, steht im Schloss Charlottenburg ein Kurland Tafelgeschirr mit Goldstaffage und grünem Fond bereit. Eine Produktionspause hat es für Kurland nie gegeben. Über alle Epochen hinweg, vom Jugendstil bis zur Moderne, war das Service beliebt – wohl auch, weil die Menschen sich immer wieder für die Antike begeistern konnten.

Wie ging es aber mit Schloss Friedrichsfeld im Osten von Berlin weiter? Nachdem im Jahr 1785 der Herzog Peter Biron von Kurland das Schloss Friedrichsfelde gekauft hatten, begann im Schloss eine neue Zeitrechnung! Die Vorliebe des Herzogs, – der im Übrigen sehr den Künsten zugetan war - für den Klassizismus ist noch heute im Schloss erlebbar. Das Herzogspaar ließ das Treppenhaus sowie den Festsaal frühklassizistisch umgestalten. Im Schloss versammelten sich viele Gelehrte, so waren Friedrich Nicolai (1733-1811), Karl Wilhelm Ramler (1725-1798) und Moses Mendelssohn (1729-1786) zu Besuch in Friedrichsfelde.

Als 1795 das Herzogtum Kurland an Russland fiel, zogen sich Herzog Peter Biron und Herzogin Anna Dorothea nach Schlesien auf ihr Herzogtum Sagan zurück und verkauften  (1797) das Schloss Friedrichsfelde an Georg Jacob Decker jr.

Abdankung als kurländischer Herzog

Peter von Birons Amtszeit von 1769 bis 1795 war von der Unzufriedenheit der kurländischen Stände geprägt. Deshalb begann er, sich nach Preußen und Böhmen zu orientieren. Durch die dritte Teilung Polens 1795 entfiel die Lehnshoheit des polnischen Königs August Poniatowski und Kurland wurde Russland einverleibt. Peter von Biron wurde daraufhin von Zarin Katharina zur Abdankung gezwungen, wobei ihm eine jährliche Rente von 25.000 Dukaten und ein Wittum (Vermögensleistung) für seine Gemahlin zugesprochen wurden. Für seine kurländischen Besitzungen erhielt er zwei Millionen Rubel.

Schloss Friedrichsfelde wurde verkauft - Eine Geschichte geht zu Ende

Der Herzog begab sich mit seiner Familie auf sein Schloss Sagan. Im gleichen Jahr verkaufte er das Schloss Friedrichsfelde und erstand dafür aber weitere zahlreiche Besitzungen.

Als er sich im Dezember 1799 krank fühlte, begab sich Peter von Biron  in das nahe gelegene Gellenau (Polen), um sich von dem Arzt behandeln zu lassen. Dort besuchte ihn nochmals die Herzogin Dorothea mit den vier Töchtern. Am 6. Januar 1800 verfasste Peter von Biron sein Testament und starb am 13. Januar 1800 auf Schloss Gellenau. Sein Leichnam wurde nach Sagan überführt und in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche, von der nur noch der Turm erhalten ist, beigesetzt.

   

Sie möchten einkaufen?

Das KPM-Geschäft in Berlin Foto: KPM Berlin

Sie möchten auch gerne Teile des Kurland-Porzellans besitzen? Das ist auch heute noch kein Problem.  Kommen sie nach Berlin und dann können sie nach Herzenslust Porzellan von KPM bestaunen.

Vorab können sie sich natürlich auch schon einmal HIER alles genau ansehen

Foto: KPM

WUSSTEN SIE, DASS...

... eine einfache Kurland Tasse in  29  Arbeitsschritten hergestellt wird? Es arbeiten 25  Manufakturisten für insgesamt  14  Arbeitstage an dieser Tasse. Mit  10  Qualitätskontrollen wird dabei jedes Stück von Hand verlesen.

 

Kurland

... dann lassen sie sich ihren Kaffee demnächst aus einem  KPM-To-go-Becher schmecken.  Über 250 Jahre Porzellan-Design „handmade in Berlin“, das ist  die Geschichte. Aus natürlichen Rohstoffen und gefiltertem Berliner Leitungswasser fertigt man in Berlin Unikate von bleibendem Wert, höchster Qualität und Handwerkskunst.

Ikonische Kollektionen wie KURLAND, entwickelt im Jahr 1790, gehören weltweit zu den Besten ihres Metiers. Die jüngste Ergänzung der Kollektion, der KPM To-go Becher, gilt als Symbol einer gelebten Symbiose aus Tradition und Zeitgeist, Stil- und Umweltbewusstsein – einfach als ein kultivierter und nachhaltiger Begleiter für den ganzen Tag, auf den man nicht verzichten möchte. Na, dann ...

Lassen sie den Becher aber bloß nicht fallen  und werfen sie ihn nicht gedankenverloren in den Mülleimer, dazu sind sie wahrlich nun doch  zu wertvoll - sprich auch teuer

Man trifft sich? Wo - in Kurland!

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