Heiratsboom bei Lettlands Oldies!

L-infos/fr – Noch stehen die Rentner vor den lettischen Standesämtern nicht Schlage, aber dennoch ist unter der älteren Bevölkerung – und besonders auch unter den richtigen Oldies – die Heiratswut ausgebrochen. Selbst 90jährige – und ältere - trauen sich jetzt und gehen den Weg ins Standesamt und bestellen das Aufgebot: 90jähriger heiratet 85jährige ist in Lettland dieser Tage keine Seltenheit!

Ehepartner verstorben und dessen Rente ist auch weg!

Was ist passiert? Was für deutsche Rentner-Ehepaare völlig undenkbar wäre, war in Lettland bis zum Jahresbeginn 2019 gang und gebe: Wenn der eine Ehepartner verstarb, wurde die Rente des verstorbenen Ehepartners in Lettland nicht an den Hinterbliebenen Ehepartner weitergezahlt, auch nicht ein prozentualer Anteil. Mit anderen Worten, der Witwer, oder die Witwe, mussten nach der Beerdigung mit ihrer eigenen Rente auskommen. Ist dies bei zwei lettischen Renten schon fast unmöglich, den kargen Lebensunterhalt zu bestreiten, so ist das bei einer kleinen Rente so gut wie unmöglich. Das Abrutschen in die absolute Armut – auf dem Land kann man das öfters erleben – ist die unweigerliche Folge einer solchen Sozialpolitik.

Hinterbliebenenrente ist ein Fremdwort- Altersarmut die Realität

So ist es in Lettland nicht verwunderlich, dass es viele „Alten-WG’s“ gibt. Da sich das heiraten im fortgeschrittenen Alter des letzten Lebensabschnittes, zumindest finanziell, nicht lohnte, leben in Lettland viele ältere Menschen partnerschaftlich in einer „wilden Ehe“ zusammen. Oftmals auch nur einfach zusammen, in getrennten Zimmern – was bei einer typischen kleinen lettischen zwei-Zimmer-Wohnung wohl auch nur Lettland machbar erscheint! Dann eben ohne „Ehegefühle“, nur, damit man sich die fixen Kosten für das Leben teilen kann. In Lettland ist das „Gerede“ von einer bevorstehenden Altersarmut (wie etwa in Deutschland) tagtäglicher, tausendfach gelebter, Realismus. Sozialsysteme, wie etwa in Deutschland, gibt es in Lettland nicht – das Wort „Grundsicherung“ für Rentner, ist hier völlig unbekannt!

Ein Lichtblick?

Seit neuestem gibt es jetzt allerdings in Lettland eine „bahnbrechende“ Neuerung, nämlich das Witwer und Witwen für ein (1!) Jahr die Rente ihres verstorbenen Ehepartners erhalten, wenn sie diese sofort beantragen (spätestens sechs Monate nach dem Todestag, aber dann auch immer nur vom Todestag ab gerechnet usw.). Man hat zwar etwas das Gefühl, dass der lettische Staat, die Rentengesetzgebung, darauf spekuliert, das viele ältere Menschen das neue System nicht verstehen, bzw. nichts davon erfahren und somit der Staatshaushalt nicht zu sehr durch die neue Rentenregel belastet wird, aber immerhin ist es ein erster Schritt, eine Entlastung für die Witwer und Witwen! Geld zu verschenken (wie immer man dies sieht), das muss man einmal ganz klar sagen, hat der lettische Staat nämlich keines. Nachdem sich vor wenigen Tagen nun endlich eine neue Regierung in Riga/Lettland gebildet hat, stellte sich sehr schnell heraus, dass alleine die im vergangenen Wahlkampf gemachten neuen Wahlversprechen der an der Macht befindlichen Parteien, wohl nicht zu finanzieren sind.

Womit die lettische Regierung jedoch wohl nicht gerechnet hatte, das sind die vielen „Alters-WG’s“, in denen seit Jahren und Jahrzehnten Janis mit inzwischen 86 Jahren mit Inese (82) seit 20 Jahren in wilder Ehe zusammenleben. Weitaus mehr betrifft es natürlich auch die Menschen, die gerade erst in Rente gegangen sind, oder diejenigen, die demnächst in Rente gehen werden. Es gab eigentlich für ältere Menschen nie einen finanziellen Grund, sich auf dem Standesamt das Jawort zu geben, weder steuerlich, noch rentenmäßig, oder sonst wie. Das hat sich 2019 schlagartig geändert.

Mit Gehhilfe und im Rollstuhl zum Standesamt

Spätes Eheglück in Lettland - auch dank der neuen Rentenregelung!

Jetzt gibt es sehr wohl einen durchaus triftigen Grund, sich zu trauen, den nur der Lette, oder die Lettin, die einen Trauschein haben, bekommt zumindest für ein Jahr die Rente von ihrem verstorbenen Ehepartner weiter überwiesen. Natürlich kann der Staat nicht feststellen, ob es immer Liebe ist, die die Partner in den Hafen der Ehe einfahren lassen. Auch die tausenden „Zweck-Wohngemeinschaften“ profitieren von der Rentenänderung, wenn sie sich trauen lassen, genauso wie die beiden 90jährigen, die vielleicht demnächst im Rollstuhl – aber händchenhaltend – zum Standesamt geschoben werden.  

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