Friedhof der Fischerboote

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L-INFOS -  Der Fischerbootfriedhof im Dorf Mazirbe/Kurland/Lettland! Man sollte sich nicht zu viel vorstellen, wenn man zum „Schiffsfriedhof von Mazirbe“ fährt, da findet keine Gigantonomie statt, da liegen keine Tanker oder alte Dampfschiffe, da geht es um ein paar alte hölzerne Fischerboote!

Machen sie einen Tagesausflug an die livländische Küste, die durch hohe Dünen und Sandsteinfreilegungen, sowie ihrer steinigen Küste und eigentümlichen Strandwiesen geprägt wird. In der Livländischen Gegend werden sich nicht nur diejenigen wohl fühlen, die populäre Erholungsorte mögen, sondern auch diejenigen, die abgelegene Strände oder Fischerdörfer bevorzugen. Im Rahmen einer Reise in dieses Gebiet können sie dann auch – als einen von vielen kleinen weiteren touristischen Höhepunkten – den Friedhof suchen, aufsuchen und besichtigen!

Wissen sollten sie noch, dass, wenn sie in diese Gegend fahren, man dort, so sehr man sich über jeden Touristen und Urlauber auch freuen mag, überhaupt nichts von einem – wie immer gearteten – Massentourismus hält. An der livländischen Küste befinden sie sich nicht nur in einem Naturschutzgebiet, sondern in einer Art „besonders geschützter Zone“! Dies gilt es zu beachten.

Die lettische Regierung schuf hier ein kulturell geschütztes Gebiet namens Līvõd Rānda - die livländische Küste - zu der alle zwölf livländischen Dörfer gehörten: Lūžņa, Miķeļtornis (Pizā), Lielirbe, Jaunciems, Sīkrags, Mazirbe, Košrags, Saunags, Vaide, Kolka, Pitras und Melnsils. Die lettische Regierung verbietet hier den Bau von neuen Siedlungen und eine Änderungen der historischen Dorfstandorte. Es ist auch jedem untersagt, ein Hotel, ein Restaurant oder eine andere öffentliche Einrichtung zu eröffnen, die die livländische Kultur nachteilig beeinflussen oder Außenstehende in die Gegend ziehen könnte. Die Livländische Küste ist ein Teil von Slītere Nationalpark.

Fahren sie nach Mazirbe und parken sie am besten in der Nähe des Kulturhauses der Liven (wenn es geöffnet hat, sollte man die dort befindliche Ausstellung über die Liven besichtigen). Einen Informationstext gibt es aber auch außerhalb des Gebäudes. Gehen sie, vom Kulturhaus kommend, geradeaus zum Strand, das ist der kürzeste Weg, der zum „Friedhof der Fischerboote“ führt!

Über die Entstehung des Friedhofes gibt es mindestens zwei Versionen. Die erste besagt, was allerdings etwas unwahrscheinlich klingt, besonders wenn man die Letten und ihre Auffassung von alt und neu (von wegwerfen und behalten) kennt, dass die Boote im Seewald von Mazirbe das Ergebnis eines technischen Wandels sind. Die alten Schiffe wurden dort „gelagert“, da sie durch neue ersetzt wurden. Hört sich ein bisschen viel nach Propaganda an.

Wahrscheinlicher ist da schon die zweite (mir bekannte) Version, nämlich das in einigen Küstendörfern in Nordkurland die private Fischerei massiv eingeschränkt wurde, während sie im Dorf Mazirbe unter strenger Aufsicht von Grenzschutzbeamten erlaubt war, so dass man möglichst viele Fischerboote nach Mazirbe brachte und dort einsetzte. Dann, in den 1960er Jahren verbot die Sowjetunion die individuelle Fischerei im Meer komplett und die Fischerboote in Mazirbe, die jetzt keine weitere Verwendung hatten, wurden auf Geheiß der Sowjets in den Dünen, in nahen Wald, gestrandet. Es wird dann weiter berichtet, dass Angehörige des Grenzschutzes die Boote oft in Brand gesteckt haben, so dass heute nicht mehr viele Überreste zu sehen sind. Sicher hat später dann auch die eine oder andere Schiffsplanke den Weg in die benachbarten Häuser und Gehöfte gefunden .

Viele Schiffe, eher gesagt, deren Gerippe, liegen dort im Wald von Mazirbe heute also nicht mehr. Wie viele es einst waren, kann auch keiner mehr sagen. Sehen sie sich also ruhig die Reste an und betrachten sie das Ganze als einen Ausflug in die neuere Geschichte Lettlands. Schon ein paar Meter neben den Schiffswracks beginnt dann schon der Strand der livländischen Ostseeküste.

 

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